Auto-Manu­fak­tur Wies­mann steht vor dem Come­back

Die Auto-Manufaktur Wiesmann aus dem münsterländischen Dülmen steht vor dem Comeback. 2014 meldete der Hersteller exklusiver Roadsters Insolvenz an. Nun will Wiesmann wieder auf die Überholspur. Mit neuem Personal an der Spitze und einer neuen Produktstrategie ist der Gecko auf dem Sprung. Auch aus dem Hause Karmann gibt es positive Nachrichten: Das Insolvenzverfahren aus dem Jahre 2009 neigt sich offenbar dem Ende zu.

Die Automanufaktur Wiesmann meldete 2014 Insolvenz an. Nun will die Kfz-Edelschmiede wieder auf die Erfolgsspur. Foto: © Rolf Vennenbernd / dpa / picture-alliance

Zunächst nach Dülmen ins nordrhein-westfälische Münsterland. Auf dem platten Land produzierten die Brüder Friedhelm und Martin Wiesmann seit 1993 exklusive Sportwagen in kleiner Serie. Als erster Roadster rollte der „MF 30“ auf die Straße, weitere PS-starke Eigenproduktionen folgten. Die Geschäftsidee: ein klassischer Roadster, Qualität made in Germany. Die Kunden, Fans exklusiver Sportwagen, ließen nicht lange auf sich warten. Bis 2013 produzierte die Kfz-Edelschmiede etwa 1600 Fahrzeuge mit einem Gecko als Logo. 2012 zogen sich die Firmengründer aus dem Geschäft zurück, Rolf Haferkamp übernahm als Geschäftsführer das Lenkrad. Doch im August 2013 beantragte die Unternehmensführung erstmals Insolvenz.

Investoren-Brüder Berry kauften Wiesmann 2016

Als der Versuch scheiterte, die Wiesmann GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, wurde Anfang 2014 über den Insolvenzverwalter die Liquidation eingeleitet. Diese endete im Mai 2014. Ein Jahr später entschieden die Gläubiger, den Gecko an die Finanzinvestoren Roheen und Sahir Berry aus London zu verkaufen, mit denen die Brüder Wiesmann seit geraumer Zeit im Geschäft waren. Preis: rund 5,7 Mio. Euro. Die Berry-Brüder kündigten an, Wiesmann zu erhalten und die Sportwagen international zu vermarkten. Spätestens seit Februar 2016, als das Landgericht Münster den Widerspruch gegen den Verkauf an Berry abschlägig beschieden und damit Rechtssicherheit geschaffen hatte, durften die Sportwagen-Freunde wieder hoffen.

Neuer Geschäftsführer kündigt neue Produktstrategie an

Die Investoren Berry erwarben das Firmengebäude in Form eines Gecko, die Markenrechte und die Produktionsfirma. Außerdem übernahm Mario Spitzner die Geschäfte, der von 1990 bis 2014 bei Mercedes-AMG Marketing und Vertrieb verantwortete. Im Februar 2017 stellte der neue Wiesmann-Chef die neue Strategie vor. Damals revidierte er laut Fachzeitschrift „Auto Motor und Sport“ die ursprüngliche Planung, wonach die bisherigen Modelle lediglich technisch überarbeitet werden sollten: „Unsere neue Produktstrategie und die Erschließung internationaler Märkte erfordern eine tiefgreifende Weiterentwicklung des bisherigen Fahrzeugkonzeptes – angefangen bei der Technik bis hin zu neuen Werkstoffen.“ Die Wiesmann-Gene blieben erhalten, der Design-Charakter werde behutsam weiterentwickelt.

Zwar brachten die Wiesmänner bisher noch kein neues Modell auf den Markt. Allerdings wurde inzwischen offiziell, dass BMW und die neue Wiesmann Sports Cars GmbH auch in Zukunft Partner bleiben. Dazu unterschrieben beide Unternehmen einen Serienentwicklungs- und Liefervertrag. Danach wird laut „Auto Motor und Sport“ die BMW M GmbH V8-Motoren nach Dülmen liefern. Das bedeutet: Wiesmann, nach eigenen Angaben der kleinste Autohersteller Deutschlands, will demnächst mit 500 bis 600 PS pro Auto zurück auf die Erfolgsspur.

Bei Karmann zeichnet sich Ende des Insolvenzverfahrens ab

Keine 100 Kilometer von Dülmen entfernt, im niedersächsischen Osnabrück, hatte die Wilhelm Karmann GmbH ihren Hauptsitz. Das Automobil- und Karosseriebau-Unternehmen fertigte dort sowie in Rheine hauptsächlich für Volkswagen, später auch für BMW und Mercedes, Ford und Audi. Mit dem Käfer Cabrio sowie mit dem sportlichen Zweisitzer Karmann-Ghia hatte das Unternehmen besondere Erfolge. Doch spätestens 2007 bekam das Konzept als Auftragsfertiger für Nischenfahrzeuge Risse: Der Verkauf von Geschäftsfeldern begann, um zusätzliche Liquidität für die Krise zu generieren. Denn Audi und Mercedes hatten ihre Cabrios wieder in die eigene Produktion zurückgeführt, Karmann suchte erfolglos Kompensationsgeschäfte für die Werke in Osnabrück und Rheine. Im April 2009 meldete Karmann vorläufige Insolvenz an, das Werk in Rheine wurde geschlossen. In Osnabrück kaufte sich Volkswagen ein.

Alle Gläubiger erhielten 15 Prozent ihrer Forderungen

Seit 2009 beschäftigen sich insbesondere die Gerichte mit dem Karmann-Niedergang. Ende vergangenen Jahres erhielten die 4.517 Gläubiger, zumeist Ex-Mitarbeiter und Beschäftigte der Zulieferer, Geld vom Insolvenzverwalter. Ausbezahlt wurde jeweils ein Betrag von 15 Prozent der jeweiligen Forderungen, zumeist ausstehende Löhne, berichtete die IG Metall. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann ließ laut „Handelsblatt“ mitteilen: „Alle Gläubiger, bei denen eine berechtigte Forderung festgestellt worden ist, sind informiert worden und haben die Ausschüttung erhalten.“ Eventuell würden noch weitere Ausschüttungen folgen. Das hänge vom Ausgang noch offener Rechtsstreitigkeiten ab. „Wir stehen hoffentlich kurzfristig vor dem Abschluss dieses Verfahrens“, so Hermann.

Insolvenzverwalter rechnet mit einer Quote von bis zu 40 Prozent

Insgesamt rechne Hermann unverbindlich mit einer Quote von 40 Prozent auf die Insolvenzforderungen, hieß es. Die Quote sei außergewöhnlich hoch. Im Durchschnitt liege diese bei Regelinsolvenzen unter fünf Prozent auf die Insolvenzforderungen, meldete dpa. Kein Wunder: Insolvenzverwalter Hermann hatte zuvor 170 Millionen Euro vor dem BGH in Karlsruhe zugunsten der Insolvenzmasse erstritten: Diese Summe musste die Karmann Besitzgesellschaft WKO an die insolvente Karmann Betreibergesellschaft zurückerstatten; es handelte sich um verauslagte Umsatzsteuerzahlungen aus den Jahren 2006 bis 2009 – inklusive Zinsen.

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DSGVO: Mit Zucker­brot und Peit­sche

Am 25. Mai 2018 ist es so weit: Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) tritt in Kraft und mit ihr neue Regelungen, die jene binden sollen, die die Daten von EU-Bürgern sammeln, nutzen und speichern. Dabei stehen natürlich die Internetgiganten Amazon, Facebook und Google im Mittelpunkt, denn ein großes Ziel wird mit der DSGVO verfolgt: Daten sollen von nun an in keiner Cloud gespeichert werden, sondern auf einem Server innerhalb der Union.

Ab Mai 2018 geht es los: Die EU-Datenschutzgrundverordnung tritt in Kraft. Bild: © nmann77 / stock.adobe.com
Ab Mai 2018 geht es los: Die EU-Datenschutzgrundverordnung tritt in Kraft. Bild: © nmann77 / stock.adobe.com

Straffe Regeln, lange Leitfäden, wenig Zeit

Es sind nur noch knapp fünf Monate bis die DSGVO in Kraft tritt. Bis dahin müssen sich Unternehmen umrüsten, Strategien ändern und ganze Prozesse anpassen. In diesem Wettlauf gegen die Zeit ist es nicht verwunderlich, dass mittlerweile etliche Leitfäden im Internet kursieren, in denen Unternehmern im Detail erklärt wird, worauf ab Mai 2018 zu achten ist.

„Selbst Datenschutzbeauftragte sind der Meinung, dass eine 100prozentige Umsetzung unmöglich sein wird.“, erklärte Matthias Wahl, Präsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) im Handelsblatt-Interview. Wir können uns also darauf einstellen, dass es in den Monaten nach Mai 2018 zu vielen Verstößen und einer Menge Prozesse kommen wird.

Auch Privatvermieter sind betroffen

Neben den großen Fischen, sind es unter anderem auch kleine Privatunternehmen, die von den neuen Regeln und Grundlagen betroffen sein werden. „Die EU spricht zwar von Unternehmen, aber kleine Privatvermieter kommen da auch nicht raus“, betont Inka-Marie Storm, Chefjustiziarin des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland im Interview mit der dpa. In anderen Worten: Sobald ein Unternehmen Daten von Individuen aufnimmt, muss er damit so umgehen, wie es die DSGVO vorsieht. Bislang wurden die Datenblätter, die üblicherweise bei Wohnungsbesichtigungen übergeben werden so angepasst, dass potentielle Miete direkt darüber entscheiden können, was mit ihren Daten passieren soll.

Im Fokus: Der Mensch und Mitarbeiter

Die meisten Unternehmen sind sich inzwischen bewusst, dass dringender Handlungsbedarf besteht und sie ihre Datenbestände aufräumen müssen. Sonst drohen empfindliche Strafen. Doch neben der technischen Seite sollte noch ein weiterer Aspekt berücksichtigt werden: der Mensch und Mitarbeiter.

Eine technische Lösung kann noch so anwenderfreundlich und technisch ausgereift sein – wird sie nicht angewendet, ist auch die Compliance dahin. Deshalb planen viele Unternehmen im Rahmen ihrer DSGVO-Vorbereitung auch Maßnahmen, die sich speziell an Mitarbeiter richten.

In einer aktuellen Umfrage von Veritas gaben 88 Prozent der 900 Befragten weltweit an, mit Trainings, Boni, Sanktionen und Vertragsergänzungen entsprechende Anreize für Mitarbeiter schaffen zu wollen. Fast die Hälfte plant sogar, eine Compliance-Verpflichtung in die Arbeitsverträge aufzunehmen.

Ein Verstoß gegen die vertraglich festgelegten Richtlinien kann weitreichende Folgen haben: 41 Prozent der Unternehmen haben vor, disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen, wenn Mitarbeiter gegen die DSGVO verstoßen. 25 Prozent würden sogar Zusatzleistungen streichen. Das Credo lautet: Zuckerbrot und Peitsche.

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Berg­bah­nen Desti­na­ti­on Gstaad „muss effi­zi­en­ter wer­den“

Matthias In-Albon, seit zwei Jahren Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad, über die Umstrukturierung und bislang höchste Investition der Skilift-Branche im Interview mit return.

Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad. Bild: © In-Albon.
Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad. Bild: © In-Albon.

Herr In-Albon, Im Januar 2016 stand die Bergbahnen Destination Gstaad kurz vor dem Abgrund. Seitdem wurden rund 70 Millionen Franken beschlossen zu investieren, um das Unternehmen wieder nach oben zu treiben. Wie war die Vorgehensweise? Was ist ihr Ziel?
MATTHIAS IN-ALBON:

Sanierung: Die Vorgehensweise bei der Sanierung war die drückenden Schulden von 58 Mio. auf 7 Mio. Fr. zu reduzieren; unter anderem verzichteten die Kantone Waadt und Bern sowie die Gemeinden der Region auf Forderungen. Das Aktienkapital wurde um 85% herabgesetzt. Gleichzeitig hat die Gesellschaft durch eine Kapitalerhöhung im Januar 2016 25 Mio. Fr. an flüssigen Mittel erhalten, um damit die Erneuerung der Anlagen voranzutreiben.

Restrukturierung: Diese Maßnahmen würden allerdings verpuffen, wenn wir nicht Anstrengungen machen, unsere Profitabilität zu steigern. Eine „straffe Fitnesskur“ ist am Laufen, welche zu einer Erhöhung des Betriebsgewinns (Ebitda) von 4 Mio. auf 8 Mio. Fr. führen soll. Wie bei Effizienzsteigerungsmaßnahmen üblich, wird der Hebel dazu bei den Kosten und den Erträgen angesetzt.

Ziel: Ich möchte, dass die Bevölkerung der Region wieder stolz auf ihre Bahnunternehmen ist und alle in die gleiche Richtung ziehen. Die Umsetzung des kontinuierlichen Prozesses von Public- Service hin zu einer effizienten Unternehmensform sehe ich als das größte Ziel.

Was war der Grund für die anhaltende Misere seit Jahren?
Die Misere geht teilweise bis auf die Gründung der BDG zurück. Vor 14 Jahren schlossen sich zwölf Bahnen zusammen, deren Integration in eine einzelne Gesellschaft fand aber nie mit der nötigen Konsequenz statt. Diese Probleme wurden inzwischen angepackt. Das Unternehmen muss effizienter werden, darf keine neuen Schulden mehr anhäufen und sollte sich aus der Abhängigkeit der öffentlichen Hand befreien.

Sie haben in den ersten zwei Jahren als Geschäftsführer den Aufwand auch durch unpopuläre Entscheide u.a. gegenüber dem Personal stark nach unten korrigiert. Wie kam das in der Destination an?
Die Reaktionen sind gespalten. Viele sind jedoch froh, dass endlich etwas zur Effizienzsteigerung unternommen wird, um langfristig dem Unternehmen eine Zukunft geben zu können. Ein großer Vorteil ist hierbei, dass ich von extern komme.

Mit ihren fast 33 Jahren gelten sie in der Branche als jemand, der hochmotiviert und hartnäckig ist und eine Menge Wissen mitbringt, um der Industrie mal wieder einen ordentlichen Schwung zu geben. Was unterscheidet ihre Strategie von anderen Verantwortlichen in ihrer Position?
Aufhören im Konjunktiv zu reden, sondern machen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Skilift-Industrie?
Die ganze Branche steht unter dem gleichen großen Druck. Es gilt die Probleme zu analysieren, um den Turnaround rechtzeitig zu schaffen. Es besteht ein Verdrängungsmarkt und die Schweizer Seilbahnbranche steht vor einer größeren Konsolidierung. Meiner Meinung nach lassen viele Skiregionen in der Schweiz Weitsicht und Offenheit für Kooperationen missen. Womöglich sind die Not und der Leidensdruck noch nicht groß genug. Gepflegt wird stattdessen ein „Gärtchendenken“, was jedoch langfristig viele Seilbahnunternehmen in Bedrängnis bringen wird: Nicht die Optimierung einer Skiregion steht im Fokus, sondern die des eigenen Micro-Unternehmens. Erschwert wird dieser Prozess durch die Mitsprache der Politik in den Seilbahnunternehmen. Im Berner Oberland hat der Schulterschluss der vier großen Skiregionen mit einem gemeinsamen Saisonabo für 666 CHF ab diesem Winter stattgefunden.

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Berg­bah­nen Desti­na­ti­on Gstaad „muss effi­zi­en­ter wer­den“

Matthias In-Albon, seit zwei Jahren Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad, über die Umstrukturierung und bislang höchste Investition der Skilift-Branche im Interview mit return.

Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad. Bild: © In-Albon.
Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad. Bild: © In-Albon.

Herr In-Albon, Im Januar 2016 stand die Bergbahnen Destination Gstaad kurz vor dem Abgrund. Seitdem wurden rund 70 Millionen Franken beschlossen zu investieren, um das Unternehmen wieder nach oben zu treiben. Wie war die Vorgehensweise? Was ist ihr Ziel?
MATTHIAS IN-ALBON:

Sanierung: Die Vorgehensweise bei der Sanierung war die drückenden Schulden von 58 Mio. auf 7 Mio. Fr. zu reduzieren; unter anderem verzichteten die Kantone Waadt und Bern sowie die Gemeinden der Region auf Forderungen. Das Aktienkapital wurde um 85% herabgesetzt. Gleichzeitig hat die Gesellschaft durch eine Kapitalerhöhung im Januar 2016 25 Mio. Fr. an flüssigen Mittel erhalten, um damit die Erneuerung der Anlagen voranzutreiben.

Restrukturierung: Diese Maßnahmen würden allerdings verpuffen, wenn wir nicht Anstrengungen machen, unsere Profitabilität zu steigern. Eine „straffe Fitnesskur“ ist am Laufen, welche zu einer Erhöhung des Betriebsgewinns (Ebitda) von 4 Mio. auf 8 Mio. Fr. führen soll. Wie bei Effizienzsteigerungsmaßnahmen üblich, wird der Hebel dazu bei den Kosten und den Erträgen angesetzt.

Ziel: Ich möchte, dass die Bevölkerung der Region wieder stolz auf ihre Bahnunternehmen ist und alle in die gleiche Richtung ziehen. Die Umsetzung des kontinuierlichen Prozesses von Public- Service hin zu einer effizienten Unternehmensform sehe ich als das größte Ziel.

Was war der Grund für die anhaltende Misere seit Jahren?
Die Misere geht teilweise bis auf die Gründung der BDG zurück. Vor 14 Jahren schlossen sich zwölf Bahnen zusammen, deren Integration in eine einzelne Gesellschaft fand aber nie mit der nötigen Konsequenz statt. Diese Probleme wurden inzwischen angepackt. Das Unternehmen muss effizienter werden, darf keine neuen Schulden mehr anhäufen und sollte sich aus der Abhängigkeit der öffentlichen Hand befreien.

Sie haben in den ersten zwei Jahren als Geschäftsführer den Aufwand auch durch unpopuläre Entscheide u.a. gegenüber dem Personal stark nach unten korrigiert. Wie kam das in der Destination an?
Die Reaktionen sind gespalten. Viele sind jedoch froh, dass endlich etwas zur Effizienzsteigerung unternommen wird, um langfristig dem Unternehmen eine Zukunft geben zu können. Ein großer Vorteil ist hierbei, dass ich von extern komme.

Mit ihren fast 33 Jahren gelten sie in der Branche als jemand, der hochmotiviert und hartnäckig ist und eine Menge Wissen mitbringt, um der Industrie mal wieder einen ordentlichen Schwung zu geben. Was unterscheidet ihre Strategie von anderen Verantwortlichen in ihrer Position?
Aufhören im Konjunktiv zu reden, sondern machen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Skilift-Industrie?
Die ganze Branche steht unter dem gleichen großen Druck. Es gilt die Probleme zu analysieren, um den Turnaround rechtzeitig zu schaffen. Es besteht ein Verdrängungsmarkt und die Schweizer Seilbahnbranche steht vor einer größeren Konsolidierung. Meiner Meinung nach lassen viele Skiregionen in der Schweiz Weitsicht und Offenheit für Kooperationen missen. Womöglich sind die Not und der Leidensdruck noch nicht groß genug. Gepflegt wird stattdessen ein „Gärtchendenken“, was jedoch langfristig viele Seilbahnunternehmen in Bedrängnis bringen wird: Nicht die Optimierung einer Skiregion steht im Fokus, sondern die des eigenen Micro-Unternehmens. Erschwert wird dieser Prozess durch die Mitsprache der Politik in den Seilbahnunternehmen. Im Berner Oberland hat der Schulterschluss der vier großen Skiregionen mit einem gemeinsamen Saisonabo für 666 CHF ab diesem Winter stattgefunden.

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Nied­rigs­ter Stand an Insol­ven­zen seit 23 Jah­ren

Bei über 20.000 Unternehmen ging’s 2017 bedrohlich bergab. Die meisten aus den Bereichen Handel und Dienstleistungen. Foto: Fotolia

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sank 2017 auf einen historischen Tiefstand. Creditreform registrierte für das alte Jahr 20.200 Fälle. Das sind 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Air Berlin, Beate Uhse, Solarworld – einige Firmeninsolvenzen sorgten 2017 für Schlagzeilen. Doch per Saldo zeigt sich: Eine geringere Zahl an Unternehmensinsolvenzen als im vergangenen Jahr „wurde zuletzt im Jahr 1994 registriert (18.820) – damals noch unter der alten Konkursordnung. Im Vergleich zum bisherigen Höchststand der Unternehmensinsolvenzen (2003: 39.470) haben sich die Fallzahlen aktuell fast halbiert“, teilte die Wirtschaftsforschung Creditreform zum Jahreswechsel mit.

Gute Wirtschaftslage lässt die Zahl der Insolvenzen sinken

Als Gründe für die Entwicklung nennt Creditreform „die günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. Dazu gehörten niedrigere Arbeitslosigkeit und tendenziell gestiegene Einkommen. Aber auch niedrigere finanzielle Belastungen für Kreditnehmer durch preiswerte Finanzierungen und Umschuldungen als in den Vorjahren wirkten positiv aus. Creditreform weiter: „Die Unternehmen profitieren von allem von der kräftigen Binnennachfrage und melden in der Breite guten Wirtschaftsdaten.“

Geschätzte zehn Prozent weniger Personalschäden als 2016

Die Insolvenz eines Unternehmens führt häufig zum Verlust von Arbeitsplätzen – nämlich bei der betroffenen Firma selbst als auch bei Zulieferern und Dienstleistern. Auch im Vorfeld der Insolvenz werden oftmals Jobs abgebaut. Creditreform schätzt: Im vergangenen Jahr fielen durch Unternehmensinsolvenzen etwa 198.000 Arbeitsplätze weg oder sind bedroht. Damit lagen diese Personalschäden um knapp zehn Prozent niedriger als im Vorjahr (221.000 Jobs). Den größten Anteil mit nahezu drei Viertel an der Zahl der betroffenen Arbeitsplätze haben Kapitalgesellschaften, da sie meist deutlich größer sind und eine Insolvenz hier entsprechend größere Schäden verursacht.

Die Schäden durch Insolvenzen bei Unternehmen schätzt Creditreform auf 26,6 Mrd. Euro. Damit lag die Schadenssumme knapp unter dem Vorjahreswert von 27,5 Mrd. Euro. Auf fast eine Million Euro beläuft sich die mittlere Schadenssumme je Insolvenzfall allein für die privaten Insolvenzgläubiger.

Kleine Unternehmen am häufigsten von Insolvenzen betroffen

Erneut fiel wieder das Gros der Insolvenzen in die kleinste Größenklasse: 82,7 Prozent der insolventen Unternehmen hatten maximal fünf Beschäftigte. Im Vorjahr waren es 81,9 Prozent. Nach Jahresumsatz finden sich die Rückgänge vor allem im Mittelstand – konkret in den Umsatzgrößenklassen fünf bis 25 Mio. Euro bzw. 25 bis 50 Mio. Euro. Bei den Großunternehmen traf es vor allem die Kategorie „mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz“, in der es mehr Insolvenzen gab.

Die meisten Insolvenzen in Handel und Dienstleistung

Welche Branchen und Bereiche waren 2017 besonders betroffen? Mehr als drei Viertel aller Insolvenzen (77,8 Prozent) stammt aus dem Handel oder dem Dienstleistungsgewerbe (Vorjahr: 76,1 Prozent). Allerdings: Auch im Handel (minus 4,7 Prozent) und im Dienstleistungsgewerbe (minus 4,3 Prozent) gingen die Zahlen laut Creditreform absolut gesehen zurück.

Gesamtwirtschaftlich kommen auf 10.000 Bestandsunternehmen 62 Insolvenzen (Insolvenzquote). Am geringsten ist die Insolvenzquote im Verarbeitenden Gewerbe (2017: 35), am höchsten im Baugewerbe (2017: 83).

Auch noch Bundesländern lassen sich deutliche Unterschiede festmachen. Berlin (93), Nordrhein-Westfalen (90) und Schleswig-Holstein (82) führen die Tabelle an; die niedrigsten Insolvenzquoten finden sich in Baden-Württemberg (38) und Bayern sowie Thüringen und Brandenburg (jeweils 43).

Hier finden Sie den ausführlichen Überblick: Insolvenzen in Deutschland 2017

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Kol­laps als Straf­tat

Verschleppungen als Insolvenzstraftat kommen häufig vor. Denn oft erkennen Unternehmenslenker den Ernst der Lage nicht rechtzeitig genug.

Anja Kühner. Bild: © Anja Kühner.
Anja Kühner. Bild: © Anja Kühner.

Vor fast sechs Jahren kam es zum großen Knall: Schlecker war pleite, obschon einst größte Drogeriemarktkette Europas mit rund 50.000 Mitarbeitern in 14.000 Filialen und mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz. Die Inhaberfamilie muss
sich jetzt seit März 2017 vor Gericht verantworten. Vorwurf:
 Anton Schlecker vor der Insolvenzanmeldung soll Vermögen beiseite geschafft haben – unter anderem in
 36 Fällen, in denen das Geld dann
 den Gläubigern nicht zur Verfügung stand. Angeklagt sind auch 
die Kinder des Firmenlenkers vor
allem wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung mit einem
 Schaden in Millionenhöhe.

Barbara Bocks. Bild: © Barbara Bocks.
Barbara Bocks. Bild: © Barbara Bocks.

Insolvenzstraftaten in Deutschland
 stiegen im vergangenen Jahr leicht
 auf insgesamt 11.283 Fälle, heißt es im Bericht der Innenministerkonferenz zur polizeilichen Kriminalstatistik 2016. Dabei handelte es sich in knapp der Hälfte der Fälle um Verschleppungen nach Paragraph 15a der Insolvenzordnung (InsO). Für involvierte Unternehmer eine schlechte Nachricht, für die Wirtschaft eine gute: Die Aufklärungsquote ist mit 99 Prozent extrem hoch.

Lange Liste der
 Insolvenzdelikte


„Im Grunde steckt in jedem Unternehmenszusammenbruch eine Straftat“, beschreibt Raimund Weyand plakativ. Er ist Autor des inzwischen in zehnter Auflage erschienenen Buchs „Insolvenzdelikte“. Verschleppung, Buchführungs- und Bilanzdelikte, Verstöße gegen die Beitragspflicht zu den Sozialkassen – in seltenen Fälle auch Betrug, Unterschlagung sowie Urkundenfälschung – das sind die typischen Delikte, die der Oberstaatsanwalt aus Saarbrücken aufführt.


Nicht bei allen Insolvenzverschleppungen geht es um derart hohe Summen wie beim ehemaligen Drogeriekonzern Schlecker. Manche Fälle klingen eher wie das Drehbuch eines schlechten Films. Im Fall der Hannoveraner Bäckerei-Kette Doppelkorn mit 120 Mitarbeitern hatte ein Angestellter einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem der aktuelle Geschäftsführer abgetaucht und der neue noch nicht im Handelsregister eingetragen war. Einige Mitarbeiter vermuten nach einem Medienbericht, dass der Geschäftsführer die Bäckerei gezielt in die Pleite getrieben und sich dann abgesetzt habe, andere sehen in der Pleite schlicht ein Zeichen für Überforderung.

Barbara Bocks und Anja Kühner haben für diesen Beitrag in Teamarbeit recherchiert und geschrieben. Die kompletten Ergebnisse ihrer Ermittlungen über Straftaten beim Zusammenbruch von Unternehmen lesen Sie in return 04/17.

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5 Trends, die Hacker 2018 bewe­gen

Mit mehr Vernetzung im Internet, weiteren smarten Anwendungen und neuen Entwicklungen im Bereich des Daten-Kidnappings, steigen die Möglichkeiten für Hacker. Mit neuen Tricks könnten noch mehr Daten gesichert und genutzt werden – eine echte Herausforderung für jene Experten, die im Bereich der Datensicherung aktiv sind.

Hacker: Was kommt im Jahr 2018 auf uns zu? Bild: © ValeryBrozhinsky / Getty Images / iStock
Hacker: Was kommt im Jahr 2018 auf uns zu? Bild: © ValeryBrozhinsky / Getty Images / iStock

Der europäische Security-Software-Hersteller ESET hat in dem übersichtlichen Report „The Cost of our Connected World“ erstellt, in dem genau das ersichtlich wird, was demnächst auf uns und unsere Daten zukommen wird: Hacker Trends 2018.

Wichtige Angriffsflächen, die im Jahre 2018 ganz besonders im Fokus stehen:

  • Cryptojacking
  • PowerShell-basierte Angriffe
  • Internet of Things
  • KRITIS
  • IT-Sicherheitssoftware
  • Bildungseinrichtungen

Ganz Besonders jedoch werden Hacker im Jahr 2018 die folgenden fünf Trends im Auge haben:

Hackertrends 2018: Kritische Infrastrukturen im Fokus

Gerade sogenannte kritische Infrastrukturen, also Kraftwerke, Industrieanlagen und Wasserversorgungseinrichtungen (KRITIS) werden im Jahre 2018 vermehrt Ziel von Hacker-Angriffen werden. Grund dafür sind die industriell genutzten Steuersysteme, die oftmals aus einer Zeit stammen, in der Hacke noch nicht einmal erwähnt wurden. Kein Wunder also, dass diese heute nicht mehr so modernisiert werden können, dass sie Angriffen standhalten. Des Weiteren gibt es in den Systemen der KRITIS eine Menge Schnittstellen, die sehr anfällig für Cyberangriffe sind.

Solche Angriffe werden sich, laut dem Report, jedoch hauptsächlich an die IT-Systeme von Zulieferern richten und an kleinere Partnerunternehmen. Auf diesem Wege arbeiten sich Hacker langsam in Richtung ihres Ziels vor.

Hackertrends 2018: Hacktivisten werden aktiver

Soziale Medien und Wahlmaschinen werden auch im Jahr 2018 ein wichtiger Angriffspunkt für politisch motivierte Hacktivisten und Cyberkriminelle sein. Wichtige politische Ereignisse aus dem letzten Jahr zeigen bereits, wozu Hacke in der politischen Landschaft fähig sind: Seien es die Fake News in Bezug auf den Brexit und die US-Wahlen oder aber die Cyberattacke auf die Wahlsoftware „PC Wahl“ – gerade hier liegt eine der wichtigsten Spielwiesen der Hacker.

Hackertrends 2018: Ansteigender Erfolg im Kampf gegen Hacker

Eine gute Nachricht gibt es: Die Methoden und Taktiken, um Hacker und Cyberkriminelle zu bekämpfen werden immer besser. Gerade Ermittlungsbehörden und IT-Sicherheitsunternehmen arbeiten besser und vor allem länderübergreifend an Strategien, die im Umgang mit Hackern helfen und vor allem Angriffe verhindern sollen. Nachdem bereits 2017 ein wichtiges Botnetz, also ein Rückgrat von international agierenden Online-Kriminellen, zerschlagen wurde, wird es dazu im Jahr 2018 häufiger kommen.

Hackertrends 2018: Definitiv keine Einzelfälle: Ransomware schlägt zu

Die Vernetzung im Alltag steigt enorm an. Von Sicherheitssystemen, die das Zuhause vernetzen über neue Plattformen im Internet bis hin zu Kinderspielzeug – das Internet of Things, also die Vernetzung von Alltagsgegenständen, und all seine Eigenschaften wird auch im Jahre 2018 weiterhin eine große Angriffsfläche für Ransomware-Angriffe bieten. Schon in den letzten Jahren kam es vermehrt zu Cyberangriffen, in denen Geld für die Freischaltung gefordert wurde. Mit mehr Vernetzung und einem Anstieg an technischen Geräten im Alltag werden solche Angriffe in diesem Jahr wachsen.

Hackertrends 2018: Datenschutz-Grundverordnung mehr als wichtig

In Bezug auf die Trends der Hacker im Jahre 2018 wird eines ganz sicher klar: Die Umsetzung und Realisierung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist nun mehr als gefragt. Experten unterstreichen besonders die Schutzmaßnahmen, die im Zuge der DSGVO umgesetzt werden sollen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Malware-Schutz, 2-Faktor-Authentifizierung und die Verschlüsselung, die gebündelt das Sicherheitslevel enorm anheben.

Weitere Themen im Bereich der IT-Security warten auf Sie in der return 01/18.

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Cloud-Sourcing ver­stärkt im Fokus

Die digitale Transformation mit Themen wie Cloud, Big Data und datenbasierte Geschäftsmodelle gewinnt immer mehr an Fahrt, stellt die Unternehmen aber auch vor komplexe Herausforderungen. Entsprechend steigt der Bedarf an externer Unterstützung im Sourcing. Das spiegelt sich in der positiven Entwicklung des Marktes für IT-Sourcingberatung deutlich wider, wie eine aktuelle Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder zeigt.

Cloud-Sourcing gewinnt an Wichtigkeit. Bild: © NicoElNino / Getty Images / iStock
Cloud-Sourcing gewinnt an Wichtigkeit. Bild: © NicoElNino / Getty Images / iStock

Die Ergebnisse der Studie „Moderne IT-Sourcingstrategien für die digitale Transformation – Der Markt für IT-Sourcingberatung in Deutschland“ von Lünendonk und Hossenfelder zeigt, dass die Digitale Transformation auch ganz klar den Sourcing-Markt beeinflusst. Demnach wurde offensichtlich, dass 93 Prozent der befragten IT-Sourcingberatungen im Jahre 2016 ihre Umsätz erhöhen konnten. Davon rund 36 Prozent mit Wachstumsraten von mehr als 10 Prozent. Weitere 35,7 Prozent legten zwischen fünf und zehn Prozent zu. Mit ähnlichen Steigerungen rechnen die Studienteilnehmer auch für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Für 2017 beträgt das durchschnittlich erwartete Umsatzwachstum 9,2 Prozent, für 2018 sogar 10,2 Prozent.

Steigende Nachfrage nach Cloud-Sourcing

Eine steigende Nachfrage ist innerhalb des gesamten Spektrums des Sourcing-Marktes zu erkennen. Gerade bei Themen wie Automatisierung, Legacy-Modernisierung und der Neuausrichtung der IT-Abteilung als Konsequenz veränderter Business-Anforderungen und Auswirkungen auf den Sourcing-Markt.

„Insgesamt steht Cloud-Sourcing derzeit im Fokus der CIOs sowie der Fachbereiche“, sagt Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder. „Denn der Bezug von IT-Ressourcen aus der Cloud ermöglicht massive Effizienzvorteile im operativen Betrieb und führt zu einer schnelleren Entwicklung von Prototypen für digitale Geschäftsmodelle.“

Ein weiterer Bedeutungsanstieg ist im Bereich des Cloud-Computings und Cloud-Sourcings zu erkennen. Fast jedes zweite befragte Unternehmen (46%) verlagert Teile seiner Anwendungen und IT-Infrastruktur in die Cloud, weil sie sich dort besser gegen Angriffe geschützt fühlen. „Greift man den Aspekt der Cyberattacken der jüngsten Vergangenheit heraus, ergibt diese Sichtweise der Befragten durchaus Sinn. Denn eigene Rechenzentren sind häufig nicht auf dem höchsten technologischen Stand, um Malware-Angriffe abwehren zu können“, so Zillmann.

Aus unterschiedlichen Gründen stellen viele Unternehmen bestimmte IT-Anwendungen weiterhin on premise zur Verfügung und verlagern nur Neuanwendungen und Teile der alten Anwendungslandschaft in die Cloud. Komplette Anwendungen in die Cloud zu geben, ist dagegen bei rund 18 Prozent der Studienteilnehmer eine Option. „Aufgrund der Vielzahl der verschiedenen Sourcingmodelle und der steigenden Anzahl digitaler Lösungen werden sich mittelfristig Hybrid- bzw. Multi-Cloud-Szenarien durchsetzen“, erwartet der Studienautor.

Anwenderunternehmen verlangen breiteres Portfolio aus Management-, IT- und Sourcingberatung

Aufgrund der vielschichtigen und komplexeren Anforderungen an die digitale Transformation hat sich die Rolle der IT-Sourcingberater für ihre Mandanten stark verändert: Die Zeiten klassischer Unterstützungsaufgaben im Sourcing-Prozess wie Ausschreibungsmanagement, Providerauswahl, Vertragsverhandlungen etc. scheinen vorbei zu sein. Um Digitalisierungsprojekte umfassend und frühzeitig begleiten zu können, sind neue Skills und Fähigkeiten, aber auch neue Zusammenarbeitsmodelle erforderlich. Vor allem Kompetenzen in der Organisations- und Prozessberatung sind wichtiger geworden, ebenso wie die Technologieberatung für Themen wie Artificial Intelligence, Robotics oder IoT. Daher setzen die befragten Sourcingberatungen auf ein breiteres und integriertes Portfolio aus Management- und IT-Beratung verbunden mit Sourcingberatung.

Dazu Mario Zillmann: „Fragestellungen zu IT-Sourcingthemen müssen bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und der Digitalisierung von Geschäftsprozessen mittlerweile zu einem frühen Zeitpunkt während der Strategieentwicklung beantwortet werden. Das bedeutet für die meisten IT-Sourcingberatungen, dass sie in der Lage sein müssen, auf Augenhöhe mit den Fachbereichen zu agieren und sie bei der Entwicklung von neuen Operating Modellen, Digitalisierungsstrategien und IT-Architekturen zu unterstützen. Das gelingt nicht allen Beratungen gleich gut.“

Auf diese neuen Anforderungen weisen auch die Antworten der befragten Anwenderunternehmen hin: Je komplexer die Digitalisierungsprojekte und je größer ihr Einfluss auf die Wertschöpfung, desto eher werden Anbieter bevorzugt, die ein breites Beratungs- und Umsetzungsportfolio haben. So bevorzugen 81 Prozent der Befragten einen End-to-End-Ansatz bei der Transformation/Umsetzung von Sourcingstrategien und mehr als 70 Prozent bei Technologieberatung und -auswahl sowie bei Organisationsberatung/ Governance-Prozessen. Folglich erwarten die Beratungsunternehmen in den nächsten zwei Geschäftsjahren eine hohe Kundennachfrage vor allem bei den Themen IT-Beratung und IT-Transformation (94 %) sowie Aufbau moderner Governance- und Organisationsprozesse für Digitalisierungsprojekte (90 %).

Der Beitrag Cloud-Sourcing verstärkt im Fokus erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.

Air Ber­lin Insol­venz und ihre Fol­gen

Der Flug der letzten Air Berlin Maschine, die in Berlin Tegel gelandet ist war ein theatralischer. Es gab ein Feuerwerk, es gab Champagner, es flossen Tränen. Mittlerweile werden die bekannten Schokoladenherzen der Berliner Fluggesellschaft schon für etliche Euros auf Onlineplattformen verkauft, dabei ist der „Albtraum Air Berlin“ noch lange nicht vorbei.

Air Berlin Insolvenz führt zu schwarzen Zeiten. Bild: © Nastco / Getty Images / iStock
Air Berlin Insolvenz führt zu schwarzen Zeiten. Bild: © Nastco / Getty Images / iStock

Die Hoffnung: NIKI Luftfahrt GmbH

Die nächste Schreckensmeldung in der Airlinebranche ereilte die Experten mit der Insolvenz der Air-Berlin-Tochter NIKI. Nachdem die Lufthansa ihr Angebot zurückgezogen hatte, stellte die NIKI Luftfahrt GmbH am 13. Dezember 2017 einen Insolvenzantrag. Die österreichische Fluggesellschaft mit Sitz in Wien hat bereits zum 14. Dezember 2017 den Flugbetrieb eingestellt.

Nichtsdestotrotz werden fast alle Passagiere, die Flüge bei der insolventen Airline NIKI gebucht haben, den gezahlten Flugpreis zurück erhalten oder direkt umgebucht. Dies teilte der vorläufige Insolvenzverwalter der „NIKI Luftfahrt GmbH“, Prof. Dr. Lucas F. Flöther, mit.
Nach aktuellem Stand wurden bis zum Insolvenzantrag der Fluglinie rund 410.000 NIKI-Flugtickets ausgestellt, die noch nicht abgeflogen wurden. Davon wurden rund 210.000 Tickets über Reiseveranstalter gebucht. Diese Tickets werden durch die jeweiligen Reiseveranstalter automatisch umgebucht. Die Inhaber der 200.000 direkt bei NIKI erworbenen Tickets erhalten – sofern sie ihre Tickets nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August 2017 erworben haben – den Reisepreis voraussichtlich voll
erstattet. Dies gilt für alle diese Tickets mit Reisezeitraum bis Ende Oktober 2018.
Für die 15.500 Passagiere mit Buchungszeitraum bis 31. Dezember 2017, die ihren Flug direkt bei Niki gebucht haben und sich an ihrem Reiseziel im Ausland befinden, haben mehrere Fluggesellschaften eine Rückholaktion organisiert. Folgende Airlines beteiligen sich an der Rückholaktion: Condor, Eurowings, Germania, Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss und TUIfly. Diese Airlines informieren diese Passagiere direkt über die genauen Konditionen der Rückholaktion.

Flöther bemüht sich derzeit um eine Investorenlösung, um zumindest in Teilen eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs zu erreichen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür hat er einen Schnellverkauf, einen Fire Sale, ausgerufen. Potentielle Käufer können ihre Angebote für den Ferienflieger demnach noch bis zum 21. Dezember um 12 Uhr einreichen. Bisher haben sich folgende Kaufinteressenten geäußert: Niki Lauda, Condor, Thomas Cook, Zeitfracht, Nayak, Ryanair und IAG.

Die Erweiterung: Topbonus geht an Germania

Von nun an können die 4,3 Millionen Mitglieder von „topbonus“, dem Vielfliegerprogramm der Air Berlin Punkte und Meilen bei der unabhängigen deutschen Fluglinie Germania sammeln und auch einlösen. Das Angebot gilt unbefristet für Flüge zu allen Zielen der Airline. Das Einlösen von Prämienmeilen für Germania-Flüge ist für Anfang 2018 geplant.

Germania gehört mit 3 Mio. Passagieren pro Jahr zu den etablierten deutschen Fluggesellschaften. Das Streckennetz der Airline, die unter grün-weißem Logo fliegt, umfasst mehr als 55 Reiseziele vorrangig im Mittelmeerraum, Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten. Als eine der wenigen Fluggesellschaften bietet Germania ihren Gästen Full-Service an Bord bestehend aus kostenfreien Snacks, Softdrinks, Zeitschriften sowie mindestens 20 Kilogramm Freigepäck.

„Die Zusammenarbeit mit Germania ist für topbonus und unsere Teilnehmer eine tolle
Erweiterung des Angebots“, betonte Anton Lill, Geschäftsführer der topbonus Ltd. „Wir freuen uns sehr, die Service-Airline als Partner zu gewinnen. Darauf ruhen wir uns jedoch nicht aus. Wir arbeiten konsequent am weiteren Ausbau unseres Angebots, wozu auch die geplante Meileneinlösung für Flüge im Streckennetz der Germania gehört.“

Um auf Germania Flügen Meilen zu sammeln, müssen die Tickets über das Germania Service Team unter der Telefonnummer: +49 (30) 610818 010 (aus der Schweiz: +41 (43) 5086928) gebucht werden. Sofort nach der Ticket-Ausstellung werden den topbonus Teilnehmern ihre Meilen automatisch gutgeschrieben. Dabei gibt es für Flüge innerhalb Europas – je nach gebuchtem Tarif – bis zu 2.000 Meilen für einen Hin- und Rückflug; für Flüge zu Zielen außerhalb Europas (z.B. Tel Aviv, Beirut, Teheran und Ägypten) sind dies bis zu 4.000 Meilen.

Bereits im September hatte topbonus seinen Teilnehmern wieder die Möglichkeit eröffnet, bei Etihad und vielen weiteren Partnern am Boden Meilen zu sammeln, u.a. bei Autovermietern, Hotelportalen sowie über den topbonus Meilen-Pilot (www.meilen-pilot.de) bei mittlerweile über 1.000 Online-Händlern.

Die Sanierung: Air Berlin Holidays

Das Reiseportal Air Berlin Holidays (vormals BINOLI) muss nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin neu ausgerichtet werden. Das Unternehmen sucht derzeit mit Spezialisten von Schultze & Braun nach einer entsprechenden Lösung. 51 Prozent der Anteile an Air Berlin Holidays hält der Baden-Badener L’tur-Gründer Karlheinz Kögel, die restlichen 49 Prozent liegen bei einer Tochtergesellschaft derinsolventen Air Berlin. Die Fluggesellschaft hatte Ende Oktober ihren Flugbetrieb eingestellt.

Karlheinz Kögel hatte deshalb schon kurz nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin ein Team um die Sanierungsspezialisten Dr. Ludwig J. Weber und Stefano Buck von Schultze & Braun damit beauftragt, mit Air Berlin in Kontakt zu treten, um eine Lösung für das Reiseportal zu finden.

„Wir diskutieren mit den Ansprechpartnern bei Air Berlin alle Optionen für eine Lösung. Auch eine Auflösung der Gesellschaft ist im Bereich des Möglichen. Sollte dies so kommen,
möchte Herr Kögel auch in diesem Fall Schäden für Kunden und Mitarbeiter vermeiden“,
sagt Dr. Weber. Karlheinz Kögel bestätigte, dass sich für Urlauber, die über das Reiseportal
buchen oder gebucht haben, nichts ändern werde. Die von dem Unternehmen angebotenen
Pauschalreisen würden, so Kögel, selbstverständlich durchgeführt.

Noch mehr Informationen zu der Insolvenz von Air Berlin und den Veränderungen in der Flugzeugbranche können Sie im Heft return 03/17 nachlesen.

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Bea­te Uhse geht in Eigen­sa­nie­rung

Jetzt steht es fest: Das insolvente Erotik-Unternehmen Beate Uhse wird sich selbst sanieren. Nachdem der Antrag beim Amtsgericht Flensburg einging, kam nun die Zusage.

Beate Uhse und die Selbstsanierung. Bild: © AndreaAstes / Getty Images / iStock
Beate Uhse und die Selbstsanierung. Bild: © AndreaAstes / Getty Images / iStock

Noch letzte Woche fanden Verhandlungen über eine Finanzierungsaufnahme zwischen Beate Uhse und einer Investorengruppe statt. Diese sind jedoch gescheitert und haben den Erotik-Konzern dazu genötigt, einen Insolvenzantrag zu stellen. Das Amtsgericht Flensburg hat dem Antrag der Beate Uhse AG stattgegeben und durch Beschluss vom 15. Dezember 2017 die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Im Zuge dessen wurde der White & Case Partner Dr. Sven-Holger Undritz zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Beraten wird die Beate Uhse AG dabei durch die Wirtschaftskanzlei BBL Bernsau Brockdorff & Partner Rechtsanwälte.

Von dem Insolvenzantrag ist nur die Holdinggesellschaft, die Beate Uhse AG, betroffen. Für die operativ tätigen Tochtergesellschaften der Beate Uhse AG wurden keine Insolvenzanträge gestellt. Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt.

Beate Uhse: Seit 1946 im Geschäft

Den Grundstein des Erotikunternehmens legte Beate Uhse 1946 mit dem Verfassen von Aufklärungsbroschüren. 1951 gründete die Namensgeberin das „Versandhaus Beate Uhse“. Die Gründung der Beate Uhse AG erfolgte 1981 durch die Firmengründerin und ihren Sohn Ulrich. Beate Uhse war die erste börsennotierte Erotik-Aktiengesellschaft. Seit 1999 werden die Aktien des Unternehmens an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.

Seit mehreren Jahren schon leidet Beate Uhse unter der wachsenden Konkurrenz aus dem Internet. Damit hat das Unternehmen in den letzten Jahren den Anschluss an die Marktentwicklungen verloren und befindet sich seit geraumer Zeit in der Krise. Im April 2017 wurde Michael Specht zum Vorstandsvorsitzenden der Beate Uhse AG bestellt, der seitdem den Sanierungsprozess gezielt vorantreibt. Trotz starker Überschuldung verfügt das Unternehmen jedoch über ein sanierungsfähiges Geschäftsmodell.

Nachhaltige und zügige Sanierung als Ziel

Michael Specht erklärt: „Unser Ziel ist es, im Rahmen des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung die operative und finanzielle Sanierung der Beate Uhse AG nachhaltig und zügig umzusetzen. Wir haben damit einen Weg eingeschlagen, bei dem wir sehr zuversichtlich sind, die Unternehmensgruppe als Ganzes sanieren zu können.“

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