Kuver­ther­stel­ler BlessOF in Rekord­zeit saniert

Die Firmenzentrale von Mayer-Kuvert in Heilbronn. © Mayer-Kuvert-network

Der Kirchheimer Hersteller für Versandtaschen und Kuverts konnte das Insolvenzverfahren erfolgreich abschließen.

Nur sechs Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Kirchheimer Firma „BlessOF“ ist dieses nun abgeschlossen: Die Gläubigerversammlung habe den Insolvenzplan mit hundertprozentiger Zustimmung angenommen, teilte der Hersteller für Versandtaschen und Kuverts mit. Bis Ende des Jahres soll ein Teil des Betriebes an den Stammsitz der Mayer-Gruppe nach Heilbronn verlagert werden, die mit rund 40 Gesellschaften und 1700 Mitarbeitern der größte europäische Hersteller in der Briefumschlagsbranche ist.

Noch in diesem Jahr sollen die benötigten Maschinen nach Heilbronn umziehen – nicht mehr benötigte Maschinen werden verkauft. Aus dem Erlös soll unter anderem eine Transfergesellschaft für jene Arbeitnehmer finanziert werden, die ihren Arbeitsplatz im Zuge der Standortverlagerung nicht behalten können. Betroffen sind 90 von insgesamt 144 Mitarbeitern. Die Transfergesellschaft besteht 12 Monate und liegt damit deutlich über dem, was im Rahmen von Insolvenzverfahren üblich ist.

„Optimum vereinbart“

„Betriebsrat und Geschäftsleitung haben das Optimum vereinbart, das für die Arbeitnehmer in einer solchen Situation gemäß der Insolvenzordnung möglich ist“, erklärt Rechtsanwalt Jochen Sedlitz, der für die Umsetzung des Sanierungskonzepts als Geschäftsführer eingesetzt worden war. Hätten die Gläubiger nicht zugestimmt, wäre nur die vollständige Liquidation des Betriebes geblieben, was Sedlitz zufolge für alle Beteiligten nachteiliger gewesen wäre.

Die Gruppe hatte den Weg über ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gewählt, da die Restrukturierungsmaßnahmen aus eigener Kraft nicht finanzierbar waren. Zur Begründung der am 1. Juli eröffneten Insolvenz hieß es: „Aufgrund des stark rückläufigen Marktes war es dem Spezialisten für großformatige Briefumschläge und Versandtaschen nicht mehr möglich, die Produktion auf Rollen- und Blattmaschinen angemessen auszulasten.“

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Digi­ta­li­sie­rung erhöht Kri­sen­fes­tig­keit von Fir­men

Digital aufgestellte Unternehmen sind vor aufziehenden Unwettern besser geschützt. Bild: © Torbz / Fotolia

Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad überstehen Krisenzeiten besser als gering digitalisierte Firmen.

Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad sind grundsätzlich produktiver als gering digitalisierte. Denn um erfolgreich zu digitalisieren, müssen Produktions- und Arbeitsprozesse angepasst werden, wodurch Unternehmen effizienter und produktiver werden. Dass sich solche Digitalisierungsprozesse auch in Krisenzeiten positiv auswirken, belegt nun eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim.

Die Analyse zeigt, dass stärker digitalisierte Unternehmen insbesondere aus dem Dienstleistungssektor weniger stark von der Krise in den Jahren 2008 und 2009 getroffen wurden als gering digitalisierte, denn Produktivitätsniveau und -wachstum haben sich bei diesen Unternehmen kaum verringert, während sie bei gering digitalisierten Unternehmen stark zurückgingen. Gleichzeitig waren diese Unternehmen im Vergleich zu gering digitalisierten auch erfolgreicher darin, Prozessinnovationen zu realisieren und durch diese effizientere Gestaltung von Prozessen Kosten einzusparen.

Wo es noch hapert

„Unternehmen, die in digitale Technologien investieren und diese auf clevere Art und Weise einsetzen, sind eher in der Lage, flexibel auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren und Krisenzeiten besser zu überstehen“, sagt Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ und Koautorin der Studie.

In welchen Bereichen es beim Thema Digitalisierung hierzulande noch hapert, zeigt nun eine aktuelle McKinsey-Studie. Demnach hat Deutschland trotz seiner aktuell hervorragenden wirtschaftlichen Ausgangslage Nachholbedarf – vor allem bei den Themen künstliche Intelligenz, Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung. Derzeit schöpfe das Land schöpfe erst zehn Prozent seines „digitalen Potenzials“ aus, bilanzieren die Studien-Autoren.

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Viel hilft nicht immer viel“

Im Zuge der Digitalisierung glauben viele Unternehmen, immer höhere Summen in Innovationen investieren zu müssen. Doch viel hilft nicht immer viel – vor allem, wenn es an einer kohärenten Strategie mangelt, weiß Dr. Klaus-Peter Gushurst, Leiter Industries & Innovation bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft pwc. Was Manager aktuell tun, um Innovationen voranzutreiben und was sie sich davon erhoffen, verrät der Experte im Interview mit return.

Herr Gushurst, in Zeiten der Digitalisierung ist der Bereich „Forschung und Entwicklung“ (F&E) in Unternehmen ein besonders wichtiger. Doch wie gut ist es darum wirklich bestellt?
Vielen großen Unternehmen fehlt bei ihren F&E-Investitionen eine klare Strategie. Das hat unsere „Innovation Benchmark“-Studie gezeigt, für die mehr als 1200 Manager weltweit befragt wurden. Mehr als die Hälfte von ihnen berichtete uns von Problemen, die eigenen Innovationspläne mit der übergeordneten Geschäftsstrategie in Einklang zu bringen. Bei den Unternehmen, die besonders viel für Forschung und Entwicklung ausgeben, lag der Wert sogar bei über 60 Prozent. Die wenigsten Unternehmen folgen einer kohärenten Strategie. Stattdessen glauben sie, im Zuge der Digitalisierung immer höhere Summen in Innovationen investieren zu müssen – fast so, als würde viel auch automatisch viel helfen.

Aber dem ist nicht so?
Es gibt erwiesenermaßen keinen statistischen Zusammenhang zwischen Innovationsausgaben und Rendite. Entscheidend ist nicht, wie viel Geld investiert wird, sondern wie es investiert wird. Und da sind die Zeiten, in denen Unternehmen einfach nur das F&E-Budget aufstocken mussten, um bald darauf mit innovativen Produkten auf den Markt zu kommen, vorbei. Die Digitalisierung erfordert neue Innovationsstrategien.

Tun Unternehmen denn etwas dafür, um derlei Innovationen zu entwickeln?
Unsere Studie hat gezeigt, dass immer mehr Unternehmen auf dem richtigen Weg sind: Über 60 Prozent aller großen Unternehmen setzen zum Beispiel auf „Open Innovation“. Ihre F&E-Abteilungen öffnen sich also gezielt für externe Impulse, und zwar nicht nur aus dem Unternehmen selbst, sondern auch von außerhalb der eigenen Organisation. Fast ebenso beliebt ist das sogenannte „Design Thinking“. Damit ist der Ansatz gemeint, dass Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte in erster Linie aus Nutzersicht denken. Zudem vertrauen inzwischen 55 Prozent auf „Co-Creation“. Sprich: Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner werden in den Innovationsprozess einbezogen.

Welche Erwartungen sind daran geknüpft?
Viele Unternehmen hoffen darauf, das „next big thing“ zu entdecken, das alles auf dem Kopf stellt. Auf den einen großen Wurf zu spekulieren scheint daher derzeit populärer zu sein als eine Strategie der vielen kleinen Erfolge zu verfolgen. Besonders dominant ist diese Blockbuster-Mentalität in der Technologiebranche. Daneben trifft man aber auch unter Pharmaunternehmen, in der Telekombranche und in der Automobilwirtschaft immer häufiger auf dieses Phänomen. Dabei muss man sagen: Im Zeitalter der Digitalisierung funktionieren zwar manche Branchen nach dem „Winner takes it all“-Prinzip. Insofern ist die neue Denkweise nachvollziehbar. Trotzdem sollten sich die Innovationsmanager hinterfragen, ob es wirklich immer klug ist, alles auf eine Karte zu setzen.

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Start-up Report: Grün­der wür­den wie­der grün­den

Gründer sind aktuell sehr zufrieden – und würden wieder gründen. Bild: © turgaygundogdu / Fotolia

Gründer kennen die Angst vor dem Scheitern. Dennoch zeigt der neue Start-up Report 2017, dass sich der Mut lohnt.

Lange Arbeitstage und kaum Freizeit, das Buhlen um Investoren, der stetige Kampf mit der Verwaltung und nicht zuletzt die Sorge, ob die eigene Idee sich am Ende am Markt durchsetzen wird oder womöglich die Pleite droht – ein Start-up zu gründen, ist keine Party, sondern harte Arbeit. Dennoch würden deutsche Gründer den Schritt jederzeit wieder gehen: 95 Prozent sagen, sie würden mit ihren aktuellen Erfahrungen erneut ein Start-up gründen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 250 Start-up-Gründern in Deutschland.

Acht von zehn Gründern würden auch anderen jungen Menschen empfehlen, ein Start-up zu gründen. Gleichzeitig gibt gut jeder dritte Gründer an, dass er bei der Gründung Angst hatte, mit seinem Start-up zu scheitern und damit als Versager zu gelten. „Wer nicht zum Ziel kommt, der verdient Respekt für den Mut, etwas gewagt zu haben – und sollte sich nicht Sorgen machen müssen, gesellschaftlich stigmatisiert zu werden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir brauchen eine Kultur der zweiten und dritten Chance, wenn wir es ernst meinen mit der Start-up-Nation Deutschland.“

Start-ups schaffen Arbeitsplätze

Dass sich Mut und Engagement der Gründ auszahlen – auch für die Gesellschaft –, zeigen die weiteren Zahlen des Start-up Reports. Demnach haben zwei Drittel der Start-ups 2016 neue Arbeitsplätze geschaffen, im laufenden Jahr wollen drei Viertel zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Im Schnitt beschäftigt jedes Start-up in Deutschland aktuell 18 Mitarbeiter. Vor einem Jahr waren es erst 15 Mitarbeiter. Gleichzeitig macht sich auch hier der Fachkräftemangel bemerkbar: Mehr als jedes zweite Start-up konnte bereits einmal eine Stelle nicht besetzen, weil es an geeigneten Kandidaten fehlte. Vor allem Entwickler werden häufig gesucht.

Finanziell gesehen haben viele Gründer große Pläne und Kapitalbedarf: Sieben von zehn Start-ups benötigen für die kommenden zwei Jahre frisches Kapital, im Schnitt werden 2,5 Millionen Euro gebraucht. Eine große Mehrheit – stolze 85 Prozent – ist aber zuversichtlich, das nötige Geld einsammeln zu können. Einen Börsengang halten indessen nur 14 Prozent der Start-ups in Zukunft für denkbar, 14 Prozent schließen ihn grundsätzlich aus. Für zwei Drittel ist der Gang auf das Parkett aktuell kein Thema.

Situation hat sich für viele verbessert

Insgesamt fühlen sich viele Start-ups gut aufgestellt: 55 Prozent und damit mehr als die Hälfte der Gründer sagt, dass sich die Situation für das eigene Start-up in den vergangenen zwei Jahren verbessert hat, nur fünf Prozent sehen eine Verschlechterung.

Auch Deutschland wird als Start-up-Standort immer beliebter. So sind nicht nur 88 Prozent mit ihrem Standort zufrieden – mehr als zwei Drittel der Gründer würden ihr Start-up auch wieder in Deutschland gründen, vor einem Jahr waren es nur 44 Prozent. Gleichzeitig verlieren die USA nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump für deutsche Gründer an Attraktivität: Hätten 2016 noch 32 Prozent im Fall einer erneuten Gründung ihr Start-up gerne in den USA gestartet, so sind es heute nur noch 15 Prozent.

 

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Fai­rer Han­del

Die Tradition und andere wichtige Werte trotz digitaler Transformation inklusive Onlineshopping auch im Retail zu erhalten, fordert Andreas Bartmann.

Andreas Bartmann

Der Handel unterliegt gegenwärtig erheblichen strukturellen Änderungen. Getrieben von immer neuen Technologien und Innovationen, fragt man sich, wo
die Reise noch hingeht. Planungen werden zunehmend schwerer, denn was früher über lange Zeit funktionierte, kann heute schon in
ganz kurzer Zeit wieder überholt sein. Die hohe Schlagzahl der Veränderungen sowie
die neuen und härteren Rahmenbedingungen lassen uns gelebte Werte und Tugenden zunehmend in den Hintergrund drängen.
 Gerade jetzt ist fairer Handel auf allen Ebenen wichtiger denn je. Wir sollten unser Handeln
wieder selbst bestimmen und, wenn wir langfristig erfolgreich sein wollen, und uns in Folgendem hinterfragen:

► in Leistung und Qualität unserer Geschäftsprozesse;
► im Umgang mit unserer Umwelt und Natur;
► in Maßstäben gesellschaftlicher Verantwortung;
►im Wohlergehen unserer Mitarbeiter, unserer Kunden, unserer Hersteller und unserer Dienstleister.

Doch inwieweit ist dies Realität? Der Markt hat in den vergangenen Jahren deutliche Signale gegeben. Große wie auch viele kleine Unternehmen sind ins Schlingern geraten oder gar vom Markt verschwunden. Auch wenn die Kunden kurzfristige Solidarität bekennen, so handeln sie dann doch anders. Die Ansprüche und Erwartungen haben sich geändert und werden vom Händler nicht mehr ausreichend erfüllt. Tante Emma lässt grüßen.

Wir befinden uns in einem gnadenlosen Kampf um Marktanteile. Gerade die massiv wachsenden Umsatzanteile im Internet sind eine Herausforderung. Dem Kunden am Bild- schirm wird eine bunte Produktwelt mit mindestens genauso vielen Anbietern offeriert. Mit wenigen Klicks geliefert in 24 Stunden. Alles so wunderbar anonym, günstig und bequem. Ein Klick weiter: eine neue Welt.

Bei Bestellung beginnt die Maschinerie in der Logistik zu laufen. In diesem Prozess mutieren Menschen selbst zu einer auf Sekunden getakteten Maschine. Ihre Funktion verlangt, leistungsfähig, billig, schnell und kritiklos zu arbeiten. Und dies möglichst mit mehr Wirtschaftlichkeit für einen günstigen Preis in Einklang zu bringen.

Andreas Bartmann ist Geschäftsführer des Outdoorhändlers „Globetrotter“ in Hamburg und Präsident des Handelsverbandes Nord. Seine komplette Unternehmer-Kolumne lesen Sie in return 02/17.

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Bahn-Start-up Loco­mo­re nimmt wie­der Fahrt auf

Zweite Chance für Locomore. Bild: © Locomore

Ein tschechischer Investor rettet das insolvente Bahn-Start-up Locomore – gemeinsam mit dem Fernbusbetreiber Flixbus.

Gute Nachrichten für Locomore: Das insolvente Fernzug-Start-up hat einen Investor gefunden. Nach übereinstimmenden Medienberichten übernimmt das tschechische Bahn- und Busunternehmen Leo Express das Start-up. Bereits in einer Woche, am 24. August, soll der Zugbetrieb auf der Trasse Berlin-Stuttgart wieder aufgenommen werden. Zunächst sollen die Züge vier Mal pro Woche in beide Richtungen fahren. Eine fünfte Fahrt und mehr Kapazitäten seien ab September geplant.

Den Vertrieb der Tickets wird Flixbus übernehmen. Seit 2015 kooperieren Flixbus und Leo bereits erfolgreich miteinander. Wie Spiegel Online berichtet, wird das Fernbusunternehmen auch den Kundenservice und das Marketing betreuen. Flixbus wolle Locomore-Fahrgästen, die von der Einstellung des Betriebs betroffen waren, Freifahrten anbieten. Gleiches gelte für alle, die im Rahmen des Crowdfundings in Locomore investiert hatten.

Mitarbeiter sollen übernommen werden

Das tschechische Transportunternehmen Leo Express gilt als einer der wenigen erfolgreichen privaten Personenzugbetreiber in Europa. Es fährt Züge von und nach Prag und betreibt Busse und Carsharing. Die Locomore-Mitarbeiter, die im Zugbetrieb tätig waren, will Leo laut der Wirtschaftswoche weiterhin beschäftigt werden. Mit 15 Mitarbeitern habe sich das Unternehmen bereits geeinigt, mit dem Rest laufen noch Gespräche.

Locomore hatte im Dezember vergangenen Jahres angefangen, die Verbindung Berlin-Stuttgart anzubieten. Der Bahnkonkurrent kam gut an und konnte via Crowdfunding rund 600.000 Euro einsammeln. Dennoch stiegen die Zahl der Fahrgäste und die Einnahmen pro Fahrgast nicht schnell genug, um die enormen Kosten zu decken. Zudem hatte es immer wieder Probleme mit den Zügen selbst gegeben, so dass das Unternehmen im Mai Insolvenz anmelden musste. Am 1. August wurde der Betrieb eingestellt und das Insolvenzverfahren eröffnet.

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Fünf gol­de­ne Regeln für erfolg­rei­chen Chan­ge

Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Mutaree GmbH. Bild: © Mutaree GmbH

Wer in einem dynamischen Marktumfeld überleben will, braucht erfolgreiches Change-Management. Fünf Tipps der Expertin.

Bestehendes optimieren und gleichzeitig grundlegend Neues schaffen – diese Balance müssen Unternehmen meistern, wenn sie mit den dynamischen Marktentwicklungen Schritt halten wollen. „Unternehmen müssen Innovation und Optimierung von Bestehendem vereinen. Sie brauchen eine balancierte Change-Kultur, um den scheinbar paradoxen Anforderungen von Innovation und Optimierung gerecht zu werden. Unternehmen mit einer gut entwickelten Change-Kultur werden im Wettbewerb die Nase deutlich vorn haben“, sagt Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Mutaree GmbH. Managern gibt die Change-Expertin fünf goldene Regeln an die Hand, auf die es bei einem erfolgreichen Change-Management ankommt:

1. Kommunikation

Eine ehrliche und offene Kommunikation ist gerade in Veränderungssituationen von großer Bedeutung. Oftmals stehen Fragen, Zukunftssorgen und Ängste aller Beteiligten im Raum. Diese können ein ganzes Projekt blockieren oder gar scheitern lassen. Offenheit, Klarheit und auch Zugänglichkeit sind wichtige Faktoren einer guten Change-Kultur. Die richtige Kommunikation dient dabei als Verbindungsglied zwischen den Hierarchien.

2. Fehlerkultur

Fehler gehören immer dazu und werden auch immer wieder gemacht. Doch werden Fehler zugelassen? Darf man aus Fehlern lernen? Darf man auch als Führungskraft ausprobieren, hinfallen und wieder aufstehen? Ein positiver und natürlicher Umgang mit Fehlern, ist ein Erfolgskatalysator, gerade wenn es darum geht, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Gefordert sind hier eher transformationale als transaktionale Führungsfähigkeiten.

3. Wertschätzung und fairer Umgang

Anerkennung und Wertschätzung von Mitarbeitern und Führungskräften entfalten in den Umsetzungsphasen von Veränderung eine fördernde Wirkung. Sie bestärken die „frühe Mehrheit“ und motivieren die „Unentschlossenen“ den neuen Weg mitzugehen.

4. Gegenseitige Unterstützung

Gibt es eine gegenseitige Unterstützung oder besteht vielmehr ein ausgeprägter Widerstand in der Belegschaft? Spielt nur der eigene Erfolg und Profit eine Rolle, oder zählt auch das, was gemeinschaftlich erreicht wird? Welche Modelle und Ziele der Zusammenarbeit gibt es? Das neue Verhalten, dass mit der Umsetzung des Veränderungsvorhabens gewünscht ist, entwickelt sich schneller und nachhaltiger, wenn gemeinsame Ziele mit Unterstützung von Multiplikatoren und Change-Agents umgesetzt werden. Dabei geht es nicht um große Dinge – die Umsetzung in kleinen Schritten und das sichtbar machen von kleinen schnellen Erfolgen durch gegenseitige Unterstützung forciert den Veränderungserfolg.

5. Feedback und Reflexion

Es ist wichtig, dass Erfahrungen kontinuierlich reflektiert werden. So erhalten alle Beteiligten die Möglichkeit, aus positiven als auch negativen Erlebnissen zu lernen. Gerade in den durch permanenten Wandel und Anpassung geprägten Zeiten sind Lernprozesse von zentraler Bedeutung. Ob Consensorbefragungen oder Resonanzrunden – es gibt Methoden, die das Lernen aus dem Change und das Lernen für den Change effektiv fördern können.

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Air Ber­lin hat Insol­venz ange­mel­det

Air Berlin hat Insolvenz angemeldet. Bild: © airberlin

Nach jahrelangen Verlusten ist Air Berlin pleite. Der Bund will den Flugbetrieb zumindest vorrübergehend sichern.

Nach langem Kampf ums Überleben und tiefroten Zahlen ist es nun offiziell: Air Berlin ist pleite. Nach einem entsprechenden Antrag der Fluggesellschaft  hat das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am heutigen Dienstag die Insolvenz in Eigenverwaltung angeordnet. Zum Sachverwalter wurde Lucas Flöther, der bereits mit der Abwicklung der Unister Holding betraut war, bestellt.

Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man „zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, heißt es in einer Mitteilung der Airline. Gleichzeitig teilte das Unternehmen mit, dass der Flugbetrieb fortgeführt werde. Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten und auch die Flüge finden demnach wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar.

Der Bund springt ein

Hilfe bekommt die Pleite-Airline nun vorerst seitens der Bundesregierung. Sie unterstützt die Fluggesellschaft mit einem Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro. Zur Begründung hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des Bundeswirtschafts- und Verkehrsministeriums: „Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich mehrere Zehntausend Reisende sowie Urlauberinnen und Urlauber an verschiedenen internationalen Urlaubsorten und Destinationen aufhalten. Der Rückflug dieser Reisenden nach Deutschland mit Air Berlin wäre andernfalls nicht möglich gewesen. Kurzfristige Alternativen für einen Rückflug dieser Reisenden nach Deutschland waren nicht zu gewährleisten.“

Der nun gewährte Kredit sichere den Flugbetrieb für ungefähr drei Monate, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten eine Übernahme von Teilen Air Berlins durch die Lufthansa gelingen könnte. Gleichzeitig schloss die Ministerin allerdings aus, dass der Bund Schulden von Air Berlin übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen.

Kartellrechtliche Bedenken sieht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) derzeit nicht, weil es nur um den Verkauf von Unternehmensteilen der Fluglinie gehe und nicht um eine Komplettübernahme. Neben der Lufthansa gebe es weitere Airlines, mit denen Air Berlin in Verhandlungen stehe. Kartellfragen müssten im Laufe des Verfahrens aber noch genauer geprüft werden.

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Har­ter Brex­it gefähr­det deut­sche Lie­fer­ket­ten

Bild: © Melinda Nagy / stock.adobe.com

Unter einem harten Brexit würden vor allem die weit verzweigten Lieferketten deutscher Schlüsselindustrien leiden.

Die Produktion von Gütern wird immer internationaler: Einzelteile für Flugzeuge oder Autos überschreiten häufig zahlreiche Landesgrenzen, bis sie zu einem fertigen Produkt zusammengesetzt werden. Viele deutsche Industrieunternehmen sind auf solche Vorleistungen aus dem Ausland angewiesen – und nicht selten sitzen die Partner in Großbritannien. Allein 2014 lieferten die Briten Vorleistungen im Wert von rund 200 Milliarden Dollar in die EU-Staaten, davon entfielen fast 36 Milliarden auf Deutschland.

Der Brexit gefährdet diese enge Zusammenarbeit oder macht sie durch Zölle und andere Kosten zumindest teurer, sollten sich die Partner nicht auf ein Freihandelsabkommen einigen. Allein die Chemieunternehmen und die Automobilindustrie erhalten jährlich Vorleistungen in Milliardenhöhe aus Großbritannien. In die Gegenrichtung fließen ebenfalls Waren und Leistungen in Milliardenhöhe. Schon geringe Zölle würden die Preise nach oben treiben. „Die komplexen Lieferketten könnten durch den Brexit schlimmstenfalls gesprengt werden“, warnt IW-Wissenschaftler Berthold Busch. Wie eine IW-Rechnung zeigt, sind vor allem die Branchen des sonstigen Fahrzeugbaus – beispielsweise Luft- und Raumfahrzeuge –, der Metallbearbeitung und die Chemieindustrie auf Vorleistungen von der Insel angewiesen. Doch auch im Fahrzeugbau haben britische Zulieferer großen Einfluss auf die deutschen Partner.

Was Unternehmen Sorge bereitet

„Die deutsche Industrie würde ohne ein Freihandelsabkommen empfindlich getroffen werden“, sagt Busch. Auch auf der anderen Seite des Kanals sieht es nicht besser aus. Zittern müssen dort vor allem die Dienstleistungsunternehmen, die viele Geschäfte mit Deutschland und der EU machen. Einigen sich die Partner nicht auf zollfreien Handel und möglichst geringe nichttarifäre Handelshemmnisse, könnten die Kosten für die Industrie nachhaltig steigen. Dann könnten auch die Preise anziehen. „Am Ende würden dann auch die deutschen Verbraucher die Zeche zahlen“, sagt Busch.

Mit den Sorgen, die ein harter Brexit deutschen Unternehmen bereitet, hat sich auch eine Deloitte-Studie auseinandergesetzt. Demnach erwarten über 50 Prozent der Unternehmen nachlassenden Handel zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich und weniger Investitionen deutscher Unternehmen in UK. Mehr als jedes dritte befragte Unternehmen denkt im Falle des harten Brexits über eine Standortverlagerung in andere europäische Länder nach. Fast jedes Zweite würde weniger in UK investiere. Als größte Risiken werden eine höhere Komplexität und Kosten durch unterschiedliche rechtliche und steuerliche Regulierungen gesehen.

Auch auf die Zahl der Insolvenzen könnte sich der Brexit auswirken, wie der Rechtsanwalt John Hammond im Interview mit return erklärte: „Es gibt Studien, die prognostizieren, dass Insolvenzen in Deutschland durch einen Brexit bis 2019 um bis zu 1,2 Prozent höher ausfallen könnten. Die deutschen Exporte nach Großbritannien beliefen sich 2015 auf einen Wert von über 90 Milliarden Euro. Eine starke Abwertung des britischen Pfunds und der Rückschlag bei den BIP-Wachstumsraten würden die deutsche Exportindustrie negativ beeinflussen. Die Einführung von Zollprozeduren und mögliche Zolltarife würden zudem einen Marktverlust für deutsche Exporteure in Großbritannien bedeuten.“

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Asbeck kauft sei­ne Solar­World-Wer­ke zurück

Die Solarworld AG hatte am 11. Mai Insolvenz angemeldet. Bild: © Smileus / Fotolia

Mit Hilfe aus Katar will der SolarWorld-Gründer die beiden Werke in Freiberg und Arnstadt aus der Insolvenz kaufen.

Frank Asbeck startet einen letzten Versuch, sein Lebenswerk zu retten: Offenbar mit der Hilfe eines Investors aus Katar will der Bonner Solar-Pionier die beiden SolarWorld-Werke in Sachsen und Thüringen aus der Insolvenz kaufen. Die von ihm gegründete „Solarworld Industries GmbH“ zahlt hauptsächlich die Schulden der insolventen Firmen, bekommt dafür aber auch für alle Anlagen, Vorräte und Anteile an ausländischen Solarworld-Gesellschaften. Die Aktionäre gehen leer aus. Auch wenn der Kaufpreis unbekannt ist, so soll Asbeck die Teile seines eigenen Konzerns für einen vergleichsweise moderaten Betrag übernommen haben.

Ziel sei nun „die Weiterführung wesentlicher Teile der Solarzellen- und Modulproduktion und der Vertrieb dieser Hocheffizienzprodukte“, heißt es in einer Mitteilung. Die Arbeit wird mit den verbleibenden 475 Arbeitsplätzen fortgesetzt. Die rund 1200 Beschäftigten in Thüringen und Sachsen, die nicht übernommen werden, werden in einer Transfergesellschaft aufgefangen, die ebenfalls von Katar und Asbeck finanziert wird.

Dass Asbeck und Katar so schnell einen Zuschlag erhalten haben, hängt Medienberichten zufolge mit der dringlichen Lage und der defizitären Produktion des Konzerns zusammen. Zwar habe es diverse weitere Interessenten aus aller Welt gegeben – allerdings hätte ein Verkauf in diesem Fall noch mehrere Monate geprüft werden müssen. Zeit, die das Unternehmen nicht hat. Die Gläubiger müssen die Einigung am morgigen Freitag bei einer außerordentlichen Gläubigerversammlung in Bonn noch zustimmen.

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