Loco­mo­re: Ebbe am Gleis

Zweite Chance für Locomore. Bild: © Locomore

Nach der Rettung aus der Insolvenz hat das Bahn-Start-up Locomore erneut Probleme. Mitten in der Nacht schaltete die Deutsche Bahn ihre Konkurrenz aus, tausende Passagiere mussten kurzfristig nach Alternativen suchen.

Erst kürzlich erreichten Locomore die guten Nachrichten, dass der tschechischer Investor LEO Express zusammen mit dem Fernbusbetreiber Flixbus den Bahn-Konkurrenten aus der Insolvenz rettet, da kriselt es schon wieder am Gleis. Diesmal liegt es an der Staatsbahn.

Vor ein paar Wochen standen Fahrgäste dann an einem leeren Gleis. Denn am Wochenende vom 03.09.2017 standen die Wagen still. Für alle Fahrgäste, die am Samstagnachmittag von Berlin nach Stuttgart oder am Sonntagfrüh von Stuttgart nach Berlin fahren wollten, gab es keine andere Möglichkeit, als kurzfristig auf das Angebot des Konkurrenten Deutsche Bahn oder auf andere Alternativen umzusteigen. Tickets mussten sich die Passagiere dann zunächst selbst kaufen, wobei die Kosten dafür im Nachhinein von Locomore erstattet wurden.

Die Deutsche Bahn hat Schuld

Was genau hinter dem Ausfall der Züge steckte, ist bis heute unklar. Locomore jedoch hat bereits einen Verdacht. Der Bahnreiseanbieter geht davon aus, dass die Deutsche Bahn den günstigen Konkurrenten mit allen Mitteln vom Gleis vertreiben möchte.

Angefangen hat alles in der Nacht zum 2. September 2017, als Locomore vom DB-Fernverkehr die Nachricht erhielt, dass vor jeder Zugfahrt eine Wagentechnische Untersuchung (WU) nötig sei. Zu diesem Zeitpunkt konnte zwar die Fahrt um 6.21 Uhr von Stuttgart nach Berlin stattfinden, allerdings nicht mehr zurück, denn dann reichte die Zeit für die notwendige WU nicht mehr. Nebenbei hat die Deutsche Bahn in diesem Moment schon beschlossen, dass sie den Check sowieso nicht durchführen würden, denn die Verträge dafür wurden bereits am Donnerstag zuvor telefonisch beendet – fristlos und ohne Angabe von Gründen.

Neustart mit Tücken

Zuvor lief bei Locomore jedoch alles nach Plan. Nach der Rettung aus der Insolvenz wurden zahlreiche Tickets verkauft, sodass knapp 1000 Passagiere ihre gebuchten Fahrten an dem besagten Wochenende nicht antreten konnten. Ein Ausfall, der das junge Unternehmen stark trifft.

Abgesehen von den erstatteten Tickets und den Rückzahlungen der Ticket-Alternativen auf die die Passagiere am besagten Wochenende umsteigen mussten, ist es auch die Bereitstellung der Flixbus-Mitarbeiter, die an allen eigentlichen Haltestellen des Zugs standen, um Passagieren Frage und Antwort zu stehen, die einen enormen Kostenaufwand darstellte.

Die Deutsche Bahn erklärte die Weigerung beim Zugcheck derweil als Panne. Gleichzeitig wird untersucht, wieso der zuständige Mitarbeiter die Überprüfung verweigerte. Bisher sind die Gründe jedoch unklar.

Mittlerweile verkehren die Züge von Locomore wieder normal. Das Unternehmen bleibt in der Hoffnung, dass wichtige Wagentechnische Untersuchungen von nun an fristgerecht und ohne Komplikationen durchgeführt würden.

Weiter Informationen zum Bahn-Start-up Locomore finden Sie in der Rubrik News.

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