Sie müs­sen im Pro­fi­fuß­ball zu sehen sein“

Joachim Böhmer, einer der beiden Geschäftsleiter aus der Derbystar-Doppelspitze, spricht im Interview über den Wiedereinstieg als Spielball-Lieferant für die Fußball-Bundesliga.

Joachim Böhmer (links). Bild: © Derbystar

Herr Böhmer, mit Blick auf Ihren Firmensitz: Heißt der Verein Ihres Herzens vielleicht Borussia Mönchengladbach?

Joachim Böhmer: Nein, da vermuten Sie falsch. Das hat sich auch in den vergangenen Jahren verändert, nachdem ich Einblick in die Branche bekommen habe. Ich war sehr lange Fan des SV Werder Bremen. Ein bisschen bin ich das eigentlich immer noch.

Und der einzige Verein mit Ihren Sympathien?

Nein, Dortmund und Gladbach stehen auch hoch im Kurs bei mir.

Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen, Borussia Dortmundund in seinen großen Zeitenauch den MSV Duisburg hat Derbystar damals mitBällen ausgestattet. Die Vereine spielten alle mitdem berühmten Derbystar Brillant, der sogenannten „Kultkugel“. Ihr Ball war 1979/80 in allen 30 Bundesligapartien im Einsatz. Wie war das?

Schon zu Beginn waren wir direkt in der Bundesliga vertreten durch den MSV Duisburg. Derbystar wurde ja 1968 gegründet und war bereits in der ersten Bundesliga-Saison vertreten. Mit der guten Qualität, die sich relativ schnell herumgesprochen hatte, aber auch weil es damals noch nicht so viele Anbieter gab, sind dann relativ schnell auch andere Vereine auf den Zug aufgesprungen. Sie haben unsere Bälle ausprobiert und für gut befunden. So sind immer mehr Vereine dazugekommen, und Ende der 70er-Jahre, also in der Saison 79/80, war es dann tatsächlich so, dass alle Clubs mit Bällen aus dem Hause Derbystar gespielt haben. Aber wir haben zu der Zeit auch noch Bälle für eine andere Marke gemacht, mit der dann auch gespielt wurde. Es gab ja nur die zwei Marken.

Dann verschwand Derbystar zwar nicht gänzlich aus der deutschen Sport-Wirtschaftsbranche, aber doch aus dem Bewusstsein der Fernsehzuschauer. Womit hing das zusammen – mit der Konkurrenz?

Ja, die Konkurrenz ist im Laufe der Jahre immer größer geworden. Vereine, die mit unserem Ball gespielt haben, wurden immer weniger, weil rein kommerzielle Entscheidungen eine Rolle gespielt haben. Da ging es dann nicht mehr nur noch um Qualität. Wir hatten bis zuletzt immer drei, vier oder fünf Vereine in der Bundesliga und in der zweiten Bundesliga, die mit unserem Ball gespielt haben, bis der Einheitsball eingeführt wurde. Das war 2010, als sich die Liga-Verantwortlichen dafür entschieden hatten. Die erste Ausschreibung dafür haben nicht wir gewonnen, sondern Adidas. Damit waren wir leider komplett raus aus der Bundesliga.

Sie haben aber wieder mitgeboten. Welche Summen waren im Spiel?

Zur Größenordnung möchte ich nichts sagen. Aber es war ja zu einer Zeit als wir noch relativ klein waren, was den Umsatz angeht. Unseren Umsatz haben wir in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Damals war unser Angebot auch vergleichsweise klein. Es wurde immer über eine Summe gemunkelt, die Adidas dann letzten Endes bezahlt hat. Fünf Millionen Euro standen im Raum, aber davon waren wir weit weg. Genauer: Ganz weit weg, muss ich ehrlich sagen.

Wie haben Sie hier den Turnaround für Derbystar eingeleitet?

Wir waren ja eigentlich nie weg, aber man hat uns nicht mehr so wahrgenommen, obwohl wir im Amateurfußball immer noch sehr stark vertreten sind und noch stärker geworden sind. Aber im Profifußball waren wir in der Tat quasi nicht mehr zu sehen. Wir wussten, dass wir im Marketing etwas tun müssen. Wir haben zwar versucht, dies aufzufangen, indem wir mehr in die Breite gehen. Also mehr in den Amateurfußball und ins Sponsoring investieren. Das hat aber nicht richtig funktioniert. Wir wollten wieder im Marketing einen großen Schritt nach vorne machen. Das geht nur, wenn Sie im Profifußball zu sehen sind. Das wollten wir unbedingt und haben wir auch geschafft.

 Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins return 03/17.

Der Beitrag „Sie müssen im Profifußball zu sehen sein“ erschien zuerst auf return – Magazin für Transformation und Turnaround.